FILM FÜR PIRMASENS

Darstellung der Ausgangssituation

Durch den Zusammenbruch der Schuhindustrie und der Schließung der amerikanischen Kasernen in den 70er und 80er Jahren verloren viele Pirmasenser Bürgerinnen und Bürger ihre Existenzgrundlage. Die Langzeitfolgen waren u.a. die höchste Arbeitslosigkeit in Rheinland-Pfalz, daraus resultierende Perspektivlosigkeit sowie materielle Armut, Überalterung und Bevölkerungsrückgang. Zudem standen viele alte Gebäude – insbesondere die Schuhfabriken – leer. Eine negative und resignative Grundstimmung entwickelte sich in der Stadt und in der Region Südwestpfalz, die bis zur heutigen Zeit anhält. Vor diesem Hintergrund ist die Förderung der kreativen Fähigkeiten und Ausdrucksmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen notwendig, um integrativ und präventiv vorbeugend zu arbeiten und um ein innovatives Gegengewicht zur Perspektivlosigkeit und Resignation zu setzen. So entstand die Idee, eine leerstehende Schuhfabrik wiederzubeleben, um einen Ort der Kreativität, der Kultur und der Begegnungen zu schaffen. Im Juni 2008 wurde dem Pirmasenser IB-Team durch die rheinland-pfälzische Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Doris Ahnen, der Förderbescheid als eine von 34 neuen Jugendkunstschulen überreicht – dies war die Geburtsstunde der JugendKulturWerkstatt Pirmasens als Jugendkunstschule der Südwestpfalz. In der darauf folgenden mehrjährigen Umbauphase wurden die seit Jahren leerstehenden Fabrikräume der alten „Salamander“-Schuhfabrik aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Mit viel Eigeninitiative, Kreativität und Herzblut entstanden auf 1.200 Quadratmetern ein großes  lichtdurchflutetes Atelier, eine Musikschule mit mehreren Proberäumen und einem vollausgestatteten Tonstudio, ein Medienraum mit Filmstudio, ein Tanzstudio mit Spiegeln, eine Theaterbühne und ein Café- und Veranstaltungsbereich mit Bühnentechnik (siehe auch Infoclip JuKuWe auf der DVD SONGs FÜR PIRMASENS). 2011 wurden die großzügigen und neu gestalteten JuKuWe-Räume bezogen. Diese ermöglichen innovative und kreative Kulturprojekte  in den Sparten Kunst, Musik, Medien, Tanz und Theater unter einem Dach. Unter diesen optimalen Bedingungen entstehen seither spannende, spartenübergreifende  Kulturprojekte mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die Leitidee der JuKuWe „KULTUR von Anfang an – KULTUR für alle“, welche soziales Lernen mit kultureller Bildung verknüpft, steht im Mittelpunkt der Arbeit. Jedem Kind und jedem Jugendlichen soll somit der Zugang und die Teilhabe an kultureller Bildung ermöglicht werden, unabhängig von sozialer, gesellschaftlicher oder ethnischer Herkunft.

Inhalte, Vorgehensweisen, Methoden

Gerade in der Region Pirmasens treffen unterschiedliche Lebensweisen auf engem Raum täglich aufeinander; der Gegensatz zwischen Arm und Reich, die Tendenz der Jugendlichen, die Stadt zu verlassen sowie die damit verbundenen Auswirkungen des demografischen Wandels sind hier besonders spürbar. Mit diesen Gegensätzen sowie mit der fehlenden Zukunftsperspektive werden die Jugendlichen täglich konfrontiert. Angesichts dieser Ausgangssituation entstand die Idee, Jugendlichen die Möglichkeit zu eröffnen, die Eindrücke aus ihrer Lebenswelt kreativ in einem Medienprojekt umsetzen. Das Konzept des bundesweit ausgezeichneten, innovativen, sparten- und generationsübergreifenden  Projekts „SONG FÜR PIRMASENS“ (siehe DVD, Anlage) bot dazu die ideale Anknüpfungsmöglichkeit. Der Erfolg sowie das entstandene positive Gemeinschaftsgefühl dieses 2011 durchgeführten Projekts wurde 2013 folgerichtig mit den „SONGs FÜR PIRMASENS“ (siehe DVD, Anlage) weiter entwickelt und verstetigt. Höhepunkt war die Live Uraufführung des „SONG“ im Rahmen des Rheinland-Pfalz Tages 2013 in Pirmasens mit 250 Mitwirkenden. Weit über 1000 Begeistere erlebten dieses einmalige Musikereignis auf dem vollbesetzten Pirmasenser Schlossplatz. Mit auf der Bühne waren auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Irene Alt sowie der Pirmasenser Oberbürgermeister Dr. Bernhard Matheis. Sichtlich berührt sprach dieser danach von „Gänsehautfeeling“ und schwärmte von der „kulturellen Kraft, die von dieser Bühne für die Stadt Pirmasens ausgehe“. Die Nachhaltigkeit dieser Idee soll sich in dem aktuellen Medienprojekt „EIN FILM FÜR PIRMASENS“ 2015/16 weiter fortsetzen.

Als inhaltlicher Ausgangspunkt und Leitfaden dienen die einzelnen Strophen des „SONG FÜR PIRMASENS“:

Die erste Strophe…

„In gonz Bärmesens, do had’s fria nur no Buxl g’schdunk,

unn die Stroßebahn is durch die Hauptstroß g’fahr,

jeda hat soi Awweit g’hat,

die meischde han se due g’hat mit Schuh…“ 

…bietet den Jugendlichen beispielsweise die Möglichkeit in die Perspektive von Senioren einzutauchen (z.B. Recherche zur Stadtgeschichte, Gespräche / Interviews mit ehemaligen Fabrikarbeiter/innen und Schuhfabrikanten). Eine weitere Strophe beschäftigt sich mit der aktuellen Lebenssituation der Jugendlichen:

„… Hier kommt die nackte Wahrheit,

Toleranz aber wenig Arbeit,

doch kommt her und schaut euch an,

was unser Wille bewegen kann….“. 

In diesem Kontext können sich die Jugendlichen mit ihrer Altersgruppe auseinandersetzten, um über ihre eigenen Gegenwarts- und Zukunftsperspektiven zu diskutieren. Spannend für die Jugendlichen könnten in diesem Zusammenhang auch Gespräche mit Pirmasensern sein, die sowohl bewusst ihre Heimatstadt verlassen haben als auch bewusst wieder zurückgekehrt sind, weil sie die positiven Seiten von Pirmasens erst „in der Fremde“ zu schätzen gelernt haben. Eine weitere Option ist das „Eintauchen“ in die Perspektive verschiedener  Teilnehmergruppen des „SONG“, z.B. Menschen mit Beeinträchtigungen, Senior(inn)en oder Migrant(inn)en. Ganz konkret bieten sich hier Besuche, Gespräche und Hospitationen in den jeweiligen Einrichtungen an, um den Alltag kennen- und verstehen zu lernen. Ein Ziel dieses Projektes ist, dass sich insbesondere Jugendliche mit ihrem Lebensumfeld ihrer Heimatstadt und ihren Bewohnern auseinandersetzen und die erarbeiteten Inhalte medial umsetzen. Dadurch werden im gesamten Projektverlauf Empathie, Verständnis und soziale Kompetenzen gefördert und gestärkt sowie Vorurteile und Stereotypen abgebaut. Begegnungen werden geschaffen, die sonst nicht zustande gekommen wären und gleichzeitig ungenutzte Talente, Ressourcen und Kompetenzen entdeckt, zur Entfaltung gebracht, gefördert und gestärkt. Durch das gemeinsame Arbeiten an diesem Filmprojekt – von der Idee bis hin zum „final cut“ – wird neben dem Erwerb von Medienkompetenzen vor allem das soziale Lernen sowie ein toleranter und respektvoller Umgang der Jugendlichen untereinander sowie mit anderen Personen und Kulturen gefördert. Das Projekt bietet zudem für alle Kinder und Jugendliche unterschiedlichste Partizipations- und Lernmöglichkeiten in den verschiedensten Bereichen – von der journalistischen Recherchearbeit über das Schreiben eines Drehbuchs bis hin zum Agieren vor oder/und hinter der Kamera. Das gesamte Projekt wird von erfahrenen Mediendozenten der JuKuWe medienpädagogisch und medientechnisch begleitet. Das Ergebnis ist ein dokumentarischer Film von Pirmasenser(inne)n über Pirmasens, welcher mal laut, mal leise, mal harmonisch, mal kritisch…. die Facetten und die Vielfalt der Menschen in Pirmasens widerspiegelt.

Hier sind ein paar Impressionen: